Das Phantom / Große Zinne

Vom Phantom haben wir beide diverseste Geschichten gehört und zudem haftet ihr inzwischen auch ein gewisser Mythos an. So wollten wir ohne große Erwartungen einfach mal in die Tour reinschauen um zu sehen, wann wir die Hosen voll haben oder die Unterarme den Geist aufgeben ;-)

Mit einer Stunde Verspätung – um 5 war’s einfach noch zu dunkel zum aufstehen – legten wir um 8 Uhr den Kopf ganz schön in den Nacken. Hier also geht’s los!?! Kurz ausgelost wer jetzt ran darf – und so startete ich leicht angespannt in die erste Länge. Was dann folgte war nur noch genial! Steile, anspruchsvolle Zinnenkletterei die zwar gut, aber sportlich abgesichert war bzw. werden konnte. Einige ermüdende Stunden später standen wir vor der Schlüssellänge. Bis jetzt lief alles optimal und wir konnten bislang alle Längen sturzfrei klettern. Hätten wir auch nicht gedacht. Mit inzwischen leicht krampfenden Unterarmen startete ich in das Dachl. Fast hätte es hingehauen, wenn nicht doch beim letzten schweren Zug an die Kante der lahme Flügel nachgegeben hätte… Egal! Außerdem wollten wir lieber noch bei Licht unten ankommen, als uns den eventuellen roten Punkt abzuholen. Unsere eigenen Erwartungen mit einem kurzen Hänger wurden eh schon mehr als erfüllt!

Im Topo zwar jetzt nur noch maximal 7, aber die letzten alpinen Längen hatten es in sich. Mir kamen gewisse Vergleiche mit berühmten Nordwänden im Karwendel… Teils ganz guter Fels, teils aber auch ganz schöner Bruch, der seinen Höhepunkt in der letzten Länge fand… Schließlich standen wir platt und glücklich um halb 7 am Ringband.

Das Ganze fand schließlich sein müdes Ende mit einer guten Pizza in Misurina, ehe es wieder Heim ging.
Ich glaub, um vor dem Phantom die Alpenliebe und danach noch die Ötzi zu klettern – nebenbei in so kurzer Zeit – , reicht eine Pizza nimmer. Da muss vorher entweder eine oberbayerische Knödelkur oder die Milchschnitte her. Echt beeindruckend!!!

Facts
Das Phantom [9+, 550m]
Große Zinne / Sextener Dolomiten

Gewaltige und superschöne Tour durch die Nordwand der Großen Zinne. Die Absicherung mit Spits und Hakl ist zwar sportlich, aber fair. Größeres Problem dürften eher die anhaltenden Schwierigkeiten sein.

Nach oben hin nehmen die Magnesiaspuren langsam ab und nach der Schlüssellänge verschwinden sie ganz. Aber irgendwie gehört der Originalausstieg über’s Ringband schon auch zu einer vollständigen Begehung – und nicht nur der rote Punkt?!?!

Über die immer wieder angesprochene Diskussion zur Bewertung kann man sich streiten. Aber eigentlich gibt’s ja nur zwei: entweder es geht, oder es geht nicht ;-)

Material: neben dem im Topo beschriebenen Material kamen vor allem oben die C4’s #.3 – #3 zum Einsatz.

Topo von Christoph Hainz gibt’s hier.

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